10 Jahre AWZ: Produzententeam Herre und Reinhardt im Interview

10 Jahre AWZ: Produzententeam Herre und Reinhardt im Interview

Foto: RTL / Stefan Gregorowius

Foto: RTL / Stefan Gregorowius

Alles was zählt“ hat in den letzten 10 Jahren so manche Klippe umschifft und manchen Sturm überstanden. Ein großartiges rund 140-köpfiges Team vor und hinter der Kamera setzt täglich zahlreiche kreative Ideen um, um den großen Tanker AWZ auf Kurs zu halten und gleichzeitig zur richtigen Zeit zu erkennen, wann eine Kurskorrektur nötig ist. Die Fans von AWZ wissen das zu schätzen und belohnen die Macher seit 10 Jahren mit guten Einschaltquoten. In unserem Interview zum Jubiläum erklären UFA-Produzent Guido Reinhardt und AWZ-Producerin Annette Herre, zwei der Kreativköpfe hinter der Serie, wie sehr sie persönlich mit der Serie verbunden sind und welches ihre „magischen Momente“ der letzten 10 Jahre sind.

Wie wurde „Alles was zählt“ geboren?
Guido Reinhardt: Eigentlich hatte sich die Keimzelle bereits zu meiner Zeit als Producer bei „Unter uns“ entwickelt – ohne, dass ich es bewusst gesteuert habe. Ich konnte Tanja Szewczenko, die zu dem Zeitpunkt als Schauspielerin von mir besetzt worden war, überzeugen, nach Beendigung ihrer aktiven Profikarriere als Eiskunstläuferin, für „Unter uns“ noch einmal aufs Eis zurück zu kehren. Hierbei hatte ich ein regelrechtes Gänsehaut-Gefühl, mein Bewusstsein war hellwach und die Vision für AWZ war geboren.
Der Kern der Idee selbst, einen Teil ihrer Lebensgeschichte und der Heldinnenreise einer Eiskunstläuferin zu erzählen, die davon träumte, einmal ganz oben auf dem Treppchen zu stehen und den Kampf gegen alle Widrigkeiten zu gewinnen, kam mir beim Bergwandern in der Schweiz, knapp unter dem Gipfel.

Nach einem Verkaufs-Trailer mit Zusammenschnitten von Tanjas besten, dramatischsten und realen Wettkämpfen auf dem Eis mit einer wundervollen Musik und einer Sprecherstimme, die die Geschichte unserer fiktiven Heldin erzählte, war die Idee bei RTL gesetzt. So begannen wir, die Idee einer täglichen Serie mit einem kleinen Team (u. a. Sarah Höflich und Katrin Esser als Autorinnen und später Kristin Schade als Producerin) weiterzuentwickeln und letztendlich zu ihrem Erfolg zu führen. Wir wussten von Anfang, dass wir gegen unsere hauseigene Produktion „Verliebt in Berlin“ laufen werden. Unser Credo war daher: Wir haben eigentlich keine Chance, aber lasst sie uns nutzen. Letztendlich hat uns auch der Durchhaltewille des Senders RTL maßgeblich dabei unterstützt – und vorneweg Anke Schäferkordt. Sie war tatsächlich unser erster Fan! Tanja selbst hat uns mit tausenden von Geschichten, Anekdoten und Details aus ihrem Leistungssportleben rund um das Eiskunstlaufen von Anfang an begleitet und bereichert. Sarah und ich haben viele Stunden damit verbracht, ihr einfach nur zuzuhören. Das machte es unglaublich authentisch, wahrhaftig und nah.

Annette Herre, Sie haben schon bei den Folgen 11-15 erstmals Regie geführt und sind aktuell seit vier Jahren Producerin und haben die Serie maßgeblich mitgeprägt und in die Zukunft geführt. Wie haben Sie die letzten 10 Jahre erlebt?
Annette Herre: Obwohl ich auch immer mal wieder weg war, ist AWZ Teil meines Lebens, unter anderem auch, weil ich 2009 zum zweiten Mal Mutter geworden bin und meine letzten Folgen vor der Geburt meiner Tochter mit zwei schwangeren Kolleginnen gedreht habe: meine Assistentin und die Schauspielerin Maria Wedig (Rolle Juli von Altenburg) waren ebenfalls schwanger. Ohne sehr persönlichen Einsatz funktioniert es nicht, immer wieder „magische Momente“ in der Serie zu kreieren und tolle, emotionale Geschichten zu erzählen, und so verbringe ich viel Zeit mit den Kollegen und Schauspielern, deren Rollen mir ans Herz gewachsen sind. Das verbindet einfach.

Was ist Ihr persönlicher „magischer Moment“?
Annette Herre: Das ist nicht leicht zu beantworten, einfach, weil es in all den Jahren mehr als einen „Magic Moment“ gab. Toll sind einfach große emotionale Drehs: ich durfte Richard und Simone zum zweiten Mal verheiraten … In einer tollen Kirche, mit Beichte und nach viel Herz mit einem großen Rache-Showdown. Für immer in Erinnerung bleiben wird mir auch eine todtraurige Vanessa, als sie Trauzeugin bei ihrer – damals – großen Liebe war … Umso schöner war es, in den letzten zwei Jahren eine große dramatische, glückliche und sehr besondere Liebesgeschichte mit Vanessa erzählen zu dürfen!

Guido Reinhardt: Der Moment, als Tanja Szewczenko in der Vorbereitung für die fiktiven Wettkämpfe, aber in der Realität, nach vielen Jahren wieder ihren ersten Dreifach-Sprung gestanden hatte. Das war auf dem „Alles was zählt“-Eis und allen anwesenden Personen liefen die Tränen vor Rührung und Freude. Dieser unglaubliche Wille, immer wieder aufzustehen, auf Startposition zu gehen, Haltung einzunehmen, rückwärts in die Anlaufphase, den Absprung vorzubereiten, die Rotation über dem Eis und die Landung … Dieser Wille scheint sich auf das ganze Team übertragen zu haben. Viele sind von Anfang an dabei, haben immer mehr als 100 Prozent gegeben und nie aufgegeben, auch wenn der Quotendruck noch so hoch war. Die Kollegen aller Departments haben immer nach Verbesserung und Veränderungen gesucht und sind nie stehengeblieben. Das habe ich in meinen über 20 Jahren Berufsleben noch nie so intensiv erlebt. Auf diesen Teamgeist, und dieses Erlebnis mit den beteiligten Kollegen teilen zu dürfen, war und bin ich unglaublich stolz.

Hätten Sie jemals erwartet, dass AWZ 10 Jahre laufen wird?
Guido Reinhardt: Ehrlich gesagt, nein. Die Serie war zunächst auf ein „Happy End“ ausgelegt und sollte nur ein Jahr laufen. Dafür war die Sportart Eiskunstlaufen ideal: Es geht um einen Kampf aufs Blut, der letztendlich zu einem Sieg führen soll und mit allen Mitteln gekämpft wird, sei es mit einer Eisenstange á la Tonya Harding oder mit blutigen Füßen vom Training. Dann wurde die Serie erfolgreich und die Zuschauer liebten den Wettbewerb auf dem Eis und auch die Musik von u. a. Christina Stürmer und Rosenstolz, die ein wesentlicher Bestandteil des Konzeptes war.

Annette Herre: Nach ein paar Jahren haben wir die Sportarten gewechselt, und neue Wettkämpfe in anderen Disziplinen erzählt, hatten Fußball und Tanzen im Programm und der Eislauf hat pausiert. Jetzt bin ich sehr stolz, dass wir Tanja Szewczenko und das Eislaufen wieder zurück in der Serie haben und unser 10-jähriges Jubiläum mit einer großen Gala und Tanjas Rückkehr aufs Eis feiern können. Mit einher geht für mich der traurigste Moment in meiner Zeit bei AWZ: Das war der Tag, an dem ich den jungen Kolleginnen, die Tänzerinnen gespielt haben, sagen musste, dass ihre Rollen bei einem schweren Busunglück sterben werden. Inhaltlich war es bis heute eine richtige und klare Entscheidung für die Zukunft der Serie; persönlich aber einfach nicht leicht und sehr traurig.

Was hätten Sie gerne im Verlauf der Serie anders gemacht?
Guido Reinhardt: Ich habe über diese Frage lange nachgedacht und die Antwort lautet ehrlicherweise: Nichts!
Annette Herre: Ich schließe mich Guido an: Nichts!