Raus aus der Schublade!

Raus aus der Schublade!

Tägliche Serien werden oft in Schubladen gepackt. Wir helfen ihnen da wieder raus.

Schubladen

 Die hören immer dann auf, wenn’s am spannendsten ist!

Das sagen wir: Das machen wir mit Absicht und das wird auch weiterhin so bleiben! Denn dadurch erzeugen wir Spannung und erreichen, dass der Zuschauer am nächsten Tag wieder einschaltet. Es gibt sogar einen Fachausdruck dafür. Wir nennen es den Cliffhanger oder einfach nur kurz: „Cliff“!

 Da wackeln ja die Wände!

Das sagen wir: Setbau ist ein hoch komplexes Thema. Dass man in ein TV-Studio keine feste Betonwand einsetzt, ist logisch. Aber mit Pappwänden hat das alles nichts zu tun. Heutzutage jedenfalls. Denn die Sets müssen einiges aushalten. Versuchen Sie mal, auf einer Pappwand einen Küchenschrank oder einen Flatscreen-Monitor anzubringen. Geht nicht. Natürlich drehen wir nicht in Schuhkartons. Vielmehr überlegen sich Set- Designer, Bühnenbauer, Szenenbildner und Producer ganz genau, welche Materialien in welchem Zusammenspiel wo verwendet werden. Wackelnde Wände sind also schon produktionstechnisch ein No-go – und alles, was Spiegelungen verursacht, übrigens auch.

 Die haben immer nur im Wohnzimmer Sex!

Das sagen wir: Das kommt ganz darauf an, ob die Charaktere eine eigene Deko „Schlafzimmer“ haben. Bei 20 festen Charakteren, die jeweils eine Wohnung oder ein Büro haben, kann man nicht auch noch 20 Schlafzimmer bauen. Außerdem: Ohne Bett ist doch alles viel kreativer! Denn nicht zu vergessen: Es gibt auch Bürotische, Fahrstühle und andere Orte, die sich prima eignen …

 Die sehen schon morgens geschminkt aus!

Das sagen wir: Na, aber wirklich nur einen Hauch! Unsere Maskenabteilungen unterscheiden nämlich in unterschiedlichen Schminkstufen. Da gibt es zum Beispiel den Fachbegriff „geschminkt ungeschminkt“. Dieses Make-up wird in jenen Szenen angewendet, in denen die Figuren gerade aufstehen. Von viel Make-up ist da gar keine Rede. Wenn GrundyUFA ganz ohne Make-up arbeiten würde, würden Gesichter unnötig glänzen und viel unrealistischer aussehen.

 Die Schauspieler werden doch von der Straße weggecastet!

Das sagen wir: Zugegeben, vor 20 Jahren fing man so an. Da hatte man in Deutschland noch keine Erfahrung mit täglichen Produktionen, ausgebildete Schauspieler kannten das Genre nicht und wollten sich erst einmal ansehen, wie denn die Arbeit bei einer täglichen Serie aussieht. Damals wusste einfach keiner, wie die Zuschauer auf ein Daily Drama reagieren würden. Man brauchte Leute, also ging man auf die Straße. Doch als sich das Genre etabliert hatte, drehte sich das Blatt gewaltig. Castingabteilungen wuchsen, Caster suchten in Theater- und Kabarett-Stücken nach Talenten – und nach und nach kamen ausgebildete Schauspieler hinzu, weil sie die Vorteile eines täglichen Formats zu schätzen wussten. Straßencastings sind also längst ausgestorben. Was es neben all dem aber noch immer gibt, sind einfach Talente! GrundyUFA hat viele von ihnen entdeckt. Manche sind weitergezogen, spielen heute in Movies und Kinoprojekten, andere sind bis heute dem Unternehmen treu geblieben. Fakt ist: Unsere Schauspieler sind alle ausgebildet und beweisen durch ihr Spiel, dass dieser Vorwurf nicht haltbar ist.

 Die gehen da ja nie zur Toilette!

Das sagen wir: Ganz so ist es ja auch wieder nicht! Was stimmt, ist die Tatsache, dass Grundy-Produktionen früher kaum Bäder als Set-Deko hatten. Da bot es sich einfach nicht an, mit den Charakteren aufs stille Örtchen zu gehen. Heute ist das anders, und in jeder Serie gibt es ein bespielbares Badezimmer. Es gab sogar Momente, bei denen Schauspieler auf der Toilette waren. Zugegeben, die sind eher selten. Aber mal Hand aufs Herz: Das wollen wir doch eh nicht sehen!

 Die müssen ihr Essen im Restaurant nie bezahlen!

Das sagen wir: Zugegeben, ein Bezahlprozedere kostet enorm viel Zeit. Wir spielen das mal durch: 1. Rechnung ordern, 2. auf die Rechnung warten, 3. Geld hinlegen und 4. aufs Rückgeld warten. Weil wir jede Minute auskosten wollen, um gute Geschichten zu erzählen, müssen solch banale Dinge einfach unter den Tisch fallen. Aber um noch mal auf den Anfang zurückzukommen: Mittlerweile bezahlen die Charaktere immer häufiger, sie warten nur einfach nicht aufs Rückgeld …

 Die haben zu viel Freizeit, auch in Führungspositionen!

Das sagen wir: Stimmt! Und darum sind sie echt zu beneiden! Aber stellen wir uns mal vor, wir würden die Charaktere immer nur in ihren Berufen und ihren Büros sehen, den ganzen Tag lang. Dann würden wir uns auch schrecklich langweilen. Stattdessen wollen wir Leben sehen, den Alltag mit unseren Figuren erleben, mit ihnen aufstehen und mit ihnen zu Bett gehen – und nicht nur mit ihnen im Büro, im Supermarkt oder im Pferdestall hocken und ihnen bei ihrer Arbeit zusehen. Oder?

Text: Leonie Lutz