Gipfeltreffen

Gipfeltreffen

KNOW-HOW IM DOPPELPACK: Einer der größten Fernsehmacher der letzten 50 Jahre trifft auf einen Produzenten der Zukunft. Ein Gespräch zwischen Reg Grundy, Medienmogul und einer der Gründer von GrundyUFA, und Guido Reinhardt, CCO und Produzent bei GrundyUFA und Fernsehmacher der nächsten Generation.

Interview: Guido Reinhardt / Text: Jasmin Kreulitsch

Zur Person: Reginald Roy Grundy wurde 1923 in Sydney geboren. 1947 fing er als Sportkommentator bei einem Radiosender an und entwickelte danach Gameshows für den australischen Radiomarkt. 1960 gründete er die Reg Grundy Organisation und produzierte fortan weltweit. Ab 1973 schrieb Grundy Fernsehgeschichte, indem er in Australien Daily Dramas auf den Markt brachte. Serien wie „Class of ’74“, „The Restless Years“, „The Young Doctors“, „Prisoner“, „Sons and Daughters“ und „Neighbours“ wurden unter seiner Federführung zum Erfolg. 1991 fasste Grundy in Europa Fuß, als es zu einem deutsch-australischen Joint Venture zwischen UFA und Grundy kam und so zur Produktion der ersten täglichen Serie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“. 1995 verkaufte Reg Grundy sein Unternehmen und zog sich aus dem aktiven Tagesgeschäft zurück. Grundy hat 2009 seine Autobiografie veröffentlicht und außerdem seine Leidenschaft zum Fotografieren in einem Bildband dokumentiert. Heute lebt Reg Grundy mit seiner Frau Joy Chambers auf den Bermudas.

Reg Grundy mit Ehefrau Joy Chambers

Reg Grundy mit Ehefrau Joy Chambers

Guido Reinhardt: Sie haben durch Ihre leidenschaftliche Arbeit, Ihren Geschäftssinn und Ihre Visionen die Fernsehlandschaft maßgeblich verändert. Wie fühlt es sich heute an, so viel auf dem Markt bewegt zu haben?

Reg Grundy: Es macht mich stolz, dass ich es geschafft habe, Fernsehprogramme auf der ganzen Welt zu machen. Ich hatte eine wunderbare Zeit für 50 Jahre.

Guido Reinhardt: In Ihren Anfangszeiten arbeiteten Sie beim Radio als Sportkommentator und entwickelten auch Gameshows. Dann entschieden Sie sich auf einmal, auch den Fernsehmarkt zu erobern. Warum?

Reg Grundy: Ich sah ein neues Unterhaltungsmedium in der TV-Branche. Ich dachte, dass das, was ich tue, perfekt ins Fernsehen passen würde. Ich hatte damals die Radioszene verlassen, und der Fernsehsender Channel 9 Sydney wollte meine Radioshow „Wheel of Fortune“. Also wechselte ich zum Fernsehen, produzierte und richtete die Show aus – und es wurde zum großen Erfolg. Das war der Anfang einer neuen Ära.

Guido Reinhardt: Wo und wie fanden Sie die Idee, mit Daily-Drama-Produktionen zu starten?

Reg Grundy: Ich fing ursprünglich damit an, weil die australische Regierung in den 70er-Jahren ein unfaires Punktesystem für Fernsehsender einführte, das sich gegen Gameshows richtete. Daher war mein Einstieg ins Daily-Drama-Business eher zufällig. Erst später haben wir realisiert, dass wir richtig gut darin sind, Drama-Serien zu produzieren, also haben wir einfach damit weitergemacht.

Guido Reinhardt: Wie wurden Ihre Daily Dramas in den Anfängen vom Publikum wahrgenommen?

Reg Grundy: Ich hatte das Glück, dass meine erste Serie „Class of ’74“ ein großer Hit war.

Guido Reinhardt: Der beeindruckendste Moment in Ihrer Karriere?

Reg Grundy: Es gab viele – aber einer sticht für mich heraus: Als ich den „International Emmy Founders Award“ bekommen habe. Dieser Preis wird verliehen an, wie es heißt, jene, deren kreative Arbeit weltweit und über kulturelle Grenzen hinweg Menschen berührt.

Guido Reinhardt: Sie haben mit unzähligen Leuten zusammengearbeitet, seit Sie Ihre Karriere gestartet haben. Gibt es jemanden, der Sie am meisten beeindruckt hat?

Reg Grundy: Talentierte Leute kamen in allen Formen und Größen, aber zwei von meinen eigenen Leuten ragen heraus: Reg Watson und Bill Mason.

Guido Reinhardt: Hatten Sie jemals eine Lieblingssendung?

Reg Grundy: Ich glaube, da muss ich „Neighbours” nennen. Die Serie läuft nach 26 Jahren noch immer und wurde zu ihren besten Zeiten in 75 Ländern ausgestrahlt.

Guido Reinhardt: Ihr Argument, wenn mal wieder jemand sagt, dass Daily Dramas seicht sind?

Reg Grundy: Ganz einfach: Das ist schlichtweg falsch! Daily Dramas haben einen konstanten Erfolg, und das überall. Menschen haben gelebt und sind gestorben, während sie Daily Dramas angeschaut haben. Sie sind unglaublich wichtig für die Leute auf der ganzen Welt!

Guido Reinhardt: Was braucht man, um ein erfolgreiches Daily Drama zu entwickeln?

Reg Grundy: Ein gutes Konzept, einen guten Autor, einen guten Produzenten – und die Lust auf jede Menge harte Arbeit.

Guido Reinhardt: Wie unterscheiden sich Ihre Daily Dramas von denen der Mitbewerber?

Reg Grundy: Grundy-Dramas laufen noch!

Guido Reinhardt: Wie sehen Sie die Entwicklung des Fernsehmarktes in den nächsten Jahren?

Reg Grundy: Ich würde gerne eine Rückkehr zu den guten, starken Formaten sehen und dafür weniger vulgäre Reality-Formate.